von Arne Bicker

Ich schreibe diesen Text hier direkt live in die Schreibseite hinein, zur Gänze unbeleckt von jeglichem Eigen- oder Fremdlektorat und deshalb ohne Gewähr; bei Fuß läuft dieser Text los, so wie ich vorhin in die Stadt meiner Wahl, und ich lehne jede Verantwortung rundheraus ab. Ich plädiere präventiv auf nicht zurechnungsfähig. Sollte der Text wider Erwarten in den literarischen Kosmos hineinzischen wie eine Musk-Rakete, so hat ihn selbstredend niemand anderer geschrieben als mein analoges Chat-GPT im privaten Serverstübchen, Gedankliche Psycho Transkription.

Wo war ich?

Ich wollte, arglos, unbedarft, einen Fischteller essen als ausgedachter Freitagsmittagskatholik, und dann das: Die Stadt geflutet mit Menschen. Es dämmerte mir wie ein Neonschuppen im Garten: Brückentag, Flugscham, 49-Euro-Ticket, noch kein Freibad-, dafür Wurstwetter – da kam einfach zu viel zusammen.

Die Massen schoben sich träge durch die Steinfluchten, der Himmel zeigte seinen Allerwertesten zuunterst, in der zickzackig-tetrissig, nein eher tetrist erreichten Markthalle mutierte ich sodann zum Schicksalsvegetarier, wand sich doch eine Schlange vor dem Fischstand bis hinter den Horizont, von wegen Scheiblettenerde, weshalb ich mich dem chronisch entehrten Gemüsestand im Eingansgbereich zuwandte, Aubergine, überbacken, nicht scheibliert, mit Salat und Yoghurtsauce.

Unter meinem linken Gabelarm hindurch bestellte eine Dame einen das geistige Überleben sichernden Vitamincocktail, griff sich diesen von meiner Serviette am Tellerrand und entfernte sich in Maximalgeschwindigkeit, sprich Superzeitlupe,  im Championsleague-Halbfinale  der Entschleunigung, es ging ja nicht anders oder mehr oder schneller.

Apropos Menschenmeer, Substantiv, Neutrum, Antonym zu menschenleer, Adjektiv, Synonyme wie verödet, tot, leer, trist, geräumt, unbelebt, verwaist, verlassen, entvölkert, abgeschieden, ausgestorben und tausende mehr – dieses Menschenunleer bildeten Freizeitzombies, Krückengeher, Toupeträger, Mützenaufsetzer,  Dabeiseier, Auswasserflaschentrinker, Fahrradschieber, Bartspazierenträger, Haarenachhintengeler, Entgenderte, Konsumhypnotisierte, Stadtgeführte und Selbstferngesteuerte, Markthallenschleicher, Wurstesser, Mitmischer, Sinnsucher, Schlangesteher, Sonnenbrilleinshaarschieber, Schonimmerimkaffeehaussitzer, Imeingangdummrumssteher und, die schlimmsten von allen: Die Plötzlichstehenbleiber.

Auch das indes steigerungsfähig. Auf dem Münsterplatz hörte ich von hinten den Schrei eines Kindes, Mama, die Frau vor mir fuhr herum, ihr Blick eine waagerechte Kreissäge mit Flammenwerfer, der Ketchup auf ihrem Wurstbrötchen konvertierte umdrehend zum Jünger Newtons, sprich Fan der Zentrifugalkraft, und die instantgewendete Dame lief laufenden Fußes tempogleich, also ohne jeden Drehungs- oder Geschwindigkeitsverlust in die total entgegensetzte Richtung, auf mich zu und gefühlt durch mich hindurch. Das können nur Mütter in Todesangst und Fußballspieler in der Playstation.

Doch dann fand ich ihn, den einen, ruhigen, fast gänzlich entvölkerten Ort im  Mümmelgetümmel des sich aufschaukelnden Münsterplatzens: Die Stadtbibliothek. Ruhe, Fastvölligeleere, Kontemplation, Kaffeeautomat. Ich durchblätterte die Badische Schreibsung, las einen Artikel über einen Freiburger Verleger aus Texas, der Buchbestellungen nur postalisch entgegennimmt, weil ihn dies wohlig ans Menschsein erinnert, und lieh mir im Anschluss ein Buch aus, Man vergisst nicht, wie man schwimmt, von Christian Huber.

Die Standnummer dieser hand- und hirnschmeichelnden Portion Gedrucktes nutze ich hier und jetzt in maximaler Kürze zusammenfassend als Gottseisgetrommeltausruf des Derherrhatsgegebenenregalglücks, der inkoheränten Brückentagweite meiner urbanen Seelenlage – vielleicht ist ja, wenn nicht die Erde, so doch die Seele eine viereckige Scheibe? – der Angst vor dem Rückweg und den Wurstmüttern des mäanderndem Ketchups: Zba Hube!